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Was einen Unternehmer ausmacht: Verantwortung statt Titel
Tobias Reinhardtca. 4 Min. Lesezeit
Geschäftsführer, CEO, Gründer: Auf der Visitenkarte ist der Unternehmer schnell gemacht. Was einen Unternehmer wirklich ausmacht, zeigt sich woanders: bei Entscheidungen unter Unsicherheit, bei den Menschen im Betrieb und bei der Wirkung nach außen. Ein Beitrag über Verantwortung als Kern des Unternehmertums.
KI-generiert Was macht einen Unternehmer aus?
Ein Titel ist schnell vergeben. Geschäftsführer steht im Handelsregister, CEO im LinkedIn-Profil, Gründer in der Präsentation für Investoren. Keiner dieser Begriffe sagt, ob jemand unternehmerisch handelt. Meine These: Unternehmer ist, wer Verantwortung trägt und für das Ergebnis geradesteht. Das gilt für die Zahlen, für die Menschen im Betrieb und für die Wirkung nach außen. Der Titel folgt daraus, oder er bleibt eine Formalie.
Ich habe zwei Unternehmen von null aufgebaut und geführt. Geprägt hat mich dabei nie die Bezeichnung auf der Karte. Geprägt haben mich die Entscheidungen unter Unsicherheit, bei denen am Ende niemand anders die Folgen trug.
Verantwortung heißt geradestehen
Das Recht kennt diesen Gedanken seit langem. Wer eine GmbH führt, muss mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes handeln, also so, wie ein gewissenhafter Leiter fremdes Vermögen verwalten würde. Verletzt ein Geschäftsführer diese Pflicht schuldhaft und entsteht der Gesellschaft ein Schaden, kann sie ihn persönlich auf Ersatz in Anspruch nehmen. Gibt es mehrere Geschäftsführer, haften sie gemeinsam. Eine interne Aufteilung in Ressorts schützt den Einzelnen nicht davor, für das Ganze belangt zu werden.
Das klingt trocken, trifft aber den Kern. Das Gesetz interessiert sich nicht für den Titel, sondern für die Person, die entscheidet und die Folgen trägt. Wer diese Haltung nur wegen der Haftung einnimmt, hat sie allerdings nicht verstanden. Verantwortung ist zuerst eine Frage der Einstellung: Ich erkenne eine Marktlücke, baue daraus ein Geschäftsmodell und stehe für das Ergebnis gerade, auch wenn es schiefgeht. Wer Entscheidungen in Gremien und Zuständigkeiten versteckt, um selbst nie angreifbar zu sein, verwaltet ein Unternehmen, aber er führt es nicht.
Verantwortung für die Mitarbeiter
Der zweite Teil der Verantwortung richtet sich nach innen. Erfolg entsteht im Team. Eine gute Geschäftsidee und akribische Arbeit sind notwendig, reichen aber nicht, solange die Menschen im Unternehmen nicht miteinander harmonieren. Das ist mir wichtiger als jede Kennzahl, weil die Kennzahlen erst daraus entstehen.
Wie viel davon abhängt, zeigt der Gallup Engagement Index für Deutschland 2025. Nur 10 Prozent der Beschäftigten fühlen sich ihrem Arbeitgeber emotional stark verbunden, 77 Prozent nur gering, 13 Prozent gar nicht. Nur 23 Prozent glauben, dass ihre Geschäftsführung künftige Herausforderungen meistern wird, und nur 18 Prozent fühlen sich von der Unternehmensführung für die Zukunft begeistert. Emotional stark gebundene Mitarbeiter fehlen dagegen 41 Prozent seltener, und nur 3 Prozent von ihnen suchen aktiv einen neuen Job. Die Produktivitätsverluste durch fehlende Bindung beziffert Gallup für 2025 auf 119 bis 142 Milliarden Euro.
Diese Zahlen beschreiben Führung. Wer ein Unternehmen verantwortet, verantwortet auch, ob Menschen dort gern arbeiten. Echte Wertschätzung, Offenheit für neue Ansätze und eine Atmosphäre, in der Arbeit Freude macht, schaffen Vertrauen. Aus Vertrauen entsteht Leistung. Veränderung gelingt nur gemeinsam mit den Menschen im Betrieb. Wer Neues einführt, muss zuhören, erklären und Akzeptanz schaffen. Das gilt für neue Software genauso wie für jede andere Entscheidung.
Verantwortung für die Gesellschaft
Der dritte Teil reicht über den Betrieb hinaus. Nach dem Statistischen Bundesamt waren 2024 von den 3,2 Millionen Unternehmen in Deutschland 99,3 Prozent kleine und mittlere Unternehmen, darunter 2,7 Millionen Kleinstunternehmen. Nur rund 21.500 Unternehmen zählten als groß. Gleichzeitig arbeiteten 54 Prozent der 39,3 Millionen tätigen Personen in kleinen und mittleren Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze hängt also an Betrieben, in denen der Unternehmer die Folgen seiner Entscheidungen unmittelbar vor sich sieht: Ausbildungsplätze, Löhne, Aufträge an Lieferanten und die Frage, ob eine Region wirtschaftlich lebendig bleibt.
Diese Wirkung nach außen gehört für mich zum Unternehmertum dazu. Ein Betrieb ist Teil eines Ortes, einer Branche und eines Netzwerks. Aus den Kölner Unternehmernetzwerken, in denen ich aktiv war, sind Partnerschaften, Kunden und Freundschaften entstanden. So etwas trägt nur, wenn man mit dem eigenen Handeln auch für andere einsteht und den eigenen Abschluss nicht zum einzigen Maßstab macht.
Der Einwand: Titel sind wichtig
Wer einwendet, Titel seien trotzdem wichtig, hat recht. Ein Titel ordnet Zuständigkeiten, schafft Klarheit für Kunden, Banken und Behörden und macht sichtbar, wer unterschreibt. Ohne die Bestellung zum Geschäftsführer gibt es keine Vertretung und keine persönliche Haftung im Sinne des Gesetzes. Insofern sind Titel die Form, in der Verantwortung nach außen erkennbar wird.
Nur die Reihenfolge zählt. Der Titel bildet Verantwortung ab, die jemand bereits trägt. Wer einen Titel führt, ohne die dazugehörigen Entscheidungen zu treffen und ihre Folgen zu tragen, schmückt sich mit einer Verantwortung, die er in Wahrheit anderen überlässt. Und der Inhaber eines kleinen Handwerksbetriebs, der jeden Monat Löhne und Lieferanten bezahlt und ohne jeden Zusatz auf der Visitenkarte auskommt, ist Unternehmer im vollen Sinn.
Fazit
Unternehmer ist, wer entscheidet und für die Folgen einsteht: gegenüber Kapitalgebern, gegenüber den Mitarbeitern und gegenüber der Gesellschaft. Titel machen diese Verantwortung nur sichtbar. Wer sein Unternehmen daran misst, ob Menschen dort gern arbeiten und die Zahlen daraus entstehen, hat den Kern verstanden.











