Digitales
Eine Webseite mit KI bauen: was gut lief und was nicht
Tobias Reinhardtca. 5 Min. Lesezeit
Ich habe meine Webseite mit KI neu gebaut, samt eigenem Redaktionssystem und Blog. Der Erfahrungsbericht erzählt, was dabei überraschend gut lief, wo es hakte und was ich anderen rate, die eine Webseite mit KI bauen wollen. Kurz gesagt: Die KI ist schnell, braucht aber klare Regeln, und jemand muss draufschauen.
KI-generiert Ein Projekt, mehrere KI-Sitzungen
Meine erste Webseite habe ich als Schüler gebaut, in einer Zeit, in der man HTML noch von Hand tippte. Diese hier habe ich mit KI neu gebaut. Das Hauptwerkzeug war Claude Code, ein KI-Programmierwerkzeug von Anthropic, das Aufgaben selbstständig in mehreren Schritten abarbeitet. Das Ergebnis vorweg: Die KI arbeitet schneller als jeder Entwickler, den ich kenne. Sie braucht aber klare Regeln, und am Ende muss ein Mensch prüfen, was sie liefert.
Überrascht hat mich, wie gut die Arbeit mit mehreren Sitzungen parallel lief. Eine Sitzung baute das Admin-Tool, mein eigenes schlankes Redaktionssystem in PHP. Eine andere entwickelte die Blog-Strategie und die Schreibregeln. Die Sitzungen stimmten sich untereinander ab, wer welche Dateien bearbeitet, damit sie sich nicht gegenseitig überschreiben. Das war weniger Programmieren als Projektleitung, mit einem Team, das nie müde wird.
Sprechen statt tippen
Ein großer Teil meiner Wünsche ging per Sprache ein. Oft mehrere kurz hintereinander, auch mitten in laufender Arbeit. Beim Testen fiel mir etwas auf, ich sprach es aus, und die KI nahm es in ihre laufende Arbeit auf. Für jemanden, der zwanzig Jahre lang jeden Wunsch selbst in Code übersetzt hat, ist das eine andere Art zu arbeiten. Ich beschreibe, die KI baut, ich schaue mir das Ergebnis an.
Das Admin-Tool selbst zeigt, wie weit das trägt. Es schreibt Beiträge per KI aus Stichpunkten oder übernimmt meine eigenen Texte. Es erzeugt Fotos per KI, setzt die Angaben für Google und bereitet die LinkedIn-Vorschau vor. Zum Testen läuft es lokal mit einer kleinen Datenbank, im Betrieb mit der Datenbank beim Hoster. Für ein Redaktionssystem, das nur eine Person benutzt, wäre das früher Wochen Arbeit gewesen.
Der erste Beitrag war Unsinn
Der erste Blogbeitrag, den die KI schrieb, ging um das Stundenhonorar in Kanzleien. Er klang elegant. Er war sehr geschwollen, kaum verständlich, ein Unsinntext. Behauptungen ohne Beleg, Bilder statt Sachverhalte, dazu Ich-Aussagen, die ich nie gemacht hatte. Hätte ich ihn ungelesen veröffentlicht, stünde mein Name darunter.
Daraus entstand ein verbindlicher Schreibleitfaden: nichts erfinden, keine Floskeln, keine Anrede, nicht gendern, kurze Abschnitte mit kurzen Zwischenüberschriften, immer eine Fazit-Box, Texte sachlich, aber unterhaltsam. Seitdem sind die Entwürfe brauchbar. Die Erkenntnis daraus: Die KI schreibt so gut wie die Regeln, die sie bekommt. Ohne Regeln liefert sie den Durchschnitt des Internets, und der ist geschwollen.
Was schiefging
Für den Blog entstand eine Themenliste mit über 200 Themen, darunter recherchierte Gerichtsentscheidungen aus Arbeitsrecht, Datenschutz und KI. KI-Agenten schreiben die Entwürfe parallel, prüfen ihre Quellen und markieren unsichere Punkte. Ich lese und gebe frei. Das klingt nach einer sauberen Maschine. Drei Dinge gingen trotzdem daneben.
Erstens landeten die ersten Entwürfe in der lokalen Testdatenbank statt im Live-System. Die KI hatte nichts falsch gemacht, ich hatte nur nicht gesagt, wohin die Texte sollen. Die Lösung war ein Import-Knopf im Admin-Tool. Zweitens hatte die KI eine Regel zu Urteilen anfangs falsch verstanden und musste sie korrigieren. Drittens entstanden einmal zwei Beiträge zum selben Urteil, weil zwei Agenten dasselbe Thema für sich entdeckt hatten. Nichts davon war schlimm. Alles davon wäre ohne Kontrolle veröffentlicht worden.
Kleinigkeiten, die den Unterschied machen
Für mich entscheidet nicht die Technik über eine Software, sondern ob Menschen sie gern benutzen. Das gilt auch für ein Werkzeug, das nur ich bediene. Deshalb habe ich auf Details bestanden, die einer KI nie von allein einfallen würden. Die Inhaltsbox neben dem Beitrag darf nicht scrollen, also höchstens sieben Zwischenüberschriften. Veröffentlichen geht per Schalter, ohne zusätzliches Speichern. Arbeitsrecht, Datenschutz und KI bekamen eigene Themenfelder.
Bei den Bildern war ich streng: echte Fotos, hell, keine Comics, keine Schrift im Bild. Und eine Entscheidung, die mir wichtig ist: Die Beiträge tragen keinen KI-Hinweis, weil ich jeden Satz gelesen und freigegeben habe. Die KI-Bilder tragen ihn, weil dort niemand etwas prüft. Meine KI-Assistentin Eora auf der Webseite ist derzeit übrigens eine Demonstration. Als echte KI ist sie für eine spätere Ausbaustufe geplant.
Was ich anderen rate
Wer eine Webseite oder ein internes Werkzeug mit KI bauen lässt, sollte drei Dinge einplanen. Erstens Regeln vor dem Start: Was darf die KI, was nicht, wie soll das Ergebnis aussehen? Jede Regel, die fehlt, füllt sie mit einer Annahme, und die Annahme sieht fertig aus. Zweitens Zeit für das Prüfen. Der Aufwand verschwindet nicht, er wandert vom Bauen zum Lesen. Wer die gesparte Zeit komplett einstreicht, veröffentlicht Fehler.
Drittens eine Person, die den Alltag kennt. Die KI baut, was beschrieben wird. Ob die Inhaltsbox scrollt oder der Veröffentlichen-Knopf einen Klick zu viel braucht, merkt nur, wer die Software später benutzt. Diese Person lässt sich nicht durch Rechenleistung ersetzen. Das ist auch die Antwort auf die Frage, ob ich die Seite lieber selbst programmiert hätte. Nein. Aber ich hätte sie niemandem überlassen, der nicht draufschaut.
Fazit
Die Webseite steht, mit Redaktionssystem, Blog und einer Themenliste für Jahre. Die KI hat den größten Teil davon gebaut, schneller als jedes Team, mit dem ich bisher gearbeitet habe.
Gut lief alles, wofür es klare Regeln gab. Schief ging alles, wo ich Regeln vergessen hatte oder die KI sie anders verstand. Die KI arbeitet schnell, braucht aber klare Regeln, und jemand muss draufschauen. Diese Person bleibt der eigentliche Engpass, und das ist gut so.











